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Mitteilungen und Nachrichten

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Bericht zum JKI Symposium „Schwarzwild (Sus scrofa): Ein Problem im Pflanzenschutz?“

Report about the JKI symposium „Wild boar (Sus scrofa): A problem for the plant protection?“

Journal für Kulturpflanzen, 69 (7). S. 210–218, 2017, ISSN 1867-0911, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Alexandra Esther und Karl-Heinz Berendes
Institut
Julius Kühn-Institut (JKI), Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst


Wildschweine (Sus scrofa) wurden über Jahrhunderte massiv vom Menschen zurückgedrängt. Als Kulturfolger werden sie zuneh­mend zum Problem in der Kulturlandschaft, aber auch in urbanen Bereichen, wie zahlreiche Zeitschriften und das Internet berichten. Betroffen sind beispielsweise Mais- und Raps­flächen, landwirtschaftliches und städtisches Grünland. Derzeit scheint es neben der Jagd keinen geeigneten Ansatz zu geben, die Schwarzwilddichten auf ein vertretbares Maß abzusenken. Zur Schadensminimierung werden aber auch immer wieder Maßnahmen wie Elektrozäune und Repellenzien erwähnt. Inwie­weit Maßnahmen zum Pflanzenschutz durch Landwirte, Jäger und Jagdpächter erfolgen sollten und können, wurde auf dem JKI Symposium „Schwarzwild (Sus scrofa): Ein Problem im Pflanzenschutz?“ durch Experten und Referenten vom 31. Mai bis 1. Juni 2016 einem fachlich interessierten Publikum vorgestellt und z.T. auch kontrovers diskutiert.


Ausgewählte Zusammenfassungen und Artikel finden Sie im Folgenden:

1) Probleme durch Schwarzwild im Weinbau

Journal für Kulturpflanzen, 69 (7). S. 210–218, 2017, ISSN 1867-0911, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Michael Maixner
Institut
Julius Kühn-Institut (JKI), Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau, Siebeldingen

Schäden durch Schwarzwild haben im letzten Jahrzehnt im Weinbau deutlich zugenommen. Als Ursache werden die allgemeine Populationsentwicklung der Wildschweine im Zusammenhang mit häufigen Mastjahren, milden Wintern und zunehmendem Maisanbau diskutiert. Darüber hinaus spielt auch die Lage der Rebflächen, zum Beispiel in Waldnähe, sowie der Strukturwandel im Weinbau eine Rolle. Besonders in Weinbausteillagen entstanden durch Aufgabe der Bewirtschaftung inmit­ten der Rebflächen verwilderte Rebflächen und unbewirtschaftete Brachen. In diesen häufig dicht bewachsenen und in warmen Hanglagen gelegenen Arealen findet das Schwarzwild geeignete Einstände in unmittelbarer Nähe der Rebflächen.

Schäden entstehen im Weinbau sowohl durch die Wühltätigkeit des Schwarzwildes als auch durch Fraß an den reifenden Trauben. Besonders im Frühjahr und Sommer werden auf der Suche nach Nahrung die Rebgassen aufgebrochen. Dadurch kommt es nicht nur zur Zerstörung der Begrünung, sondern die Bodenunebenheiten erschweren oder verhindern die Befahrbarkeit der Anlagen und damit die maschinelle Bewirtschaftung. Die Intensität der Wühlschäden variiert örtlich und zeitlich je nach Art der Begrünung oder Bodenabdeckung und dem alternativen Nahrungsangebot.

Mit der Reife der Trauben treten Fraßschäden in den Vordergrund. Dabei zeigt das Schwarzwild eine deutliche Präferenz für frühreife Sorten und Bouquetsorten und sucht mit solchen Reben bestockte Parzellen gezielt auf. Daneben sind Rebflächen besonders gefährdet, auf denen nach der allgemeinen Lese noch Trauben für die Eisweinbereitung verbleiben. In Jahren mit besonders hohem Schadensdruck wie 2012 berichten Winzer von Ertragseinbußen von 30%–50% des Ernteguts auf beson­ders betroffenen Parzellen. Eine Ersatzpflicht für Wildschäden im Weinbau ohne besondere Schutzvorkehrungen besteht nur in Baden-Württemberg.

Zur Abwehr des Schwarzwildes werden optische-akustische Vergrämungsgeräte, häufiger jedoch Verstänkerungsmittel eingesetzt. Dazu werden sowohl kommerzielle Produkte als auch Menschenhaare, Haarmehl-Pellets u.a. verwendet. Allerdings muss der Einsatz solcher Produkte während der Traubenreife auf die Ränder der Rebparzellen beschränkt bleiben, um sensorische Beeinträchtigungen des Weines zu vermeiden. Nach Praxiserfahrungen sind Verstänkerungsmaßnahmen in dieser Zeit aufgrund der hohen Attraktivität der reifendene Trauben im Vergleich zu Einzäunungsmaßnahmen nur bedingt wirksam. Zur Einzäunung werden Drahtgeflechtzäune, Baustahlmatten, häufig Elektrozäune und gelegentlich auch Traubenschutznetze verwendet, die am Boden fest verankert werden müssen.

In Jahren mit hoher Populationsdichte des Schwarzwilds wird besonders häufig über Schäden im Weinbau geklagt. Der intensiven Bejagung des Schwarzwildes kommt daher auch für den Weinbau eine große Bedeutung zu. Ebenso wichtig ist es jedoch, nicht bewirtschaftete Flächen freizuhalten bzw. durch ein geeignetes Flächenmanagement die Zerstückelung zusammenhängender Weinbergsareale zu vermeiden, um dem Schwarz­wild die weinbergsnahen Einstände in Gestalt verbuschter Drieschen und Brachflächen zu nehmen.

2) Brennpunkt Schwarzwild – Digitales Schwarz­wildmonitoring als Kommunikationsplattform der Beteiligten vor Ort

Journal für Kulturpflanzen, 69 (7). S. 210–218, 2017, ISSN 1867-0911, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Albert Robold
Institut
Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im Bayerischen Bauernverband

Nicht nur in Bayern steht die Land- und Forstwirtschaft hinsichtlich der seit Jahren steigenden Streckenzahlen beim Schwarzwild und einer zunehmenden räumlichen Ausbreitung vor einer enormen Herausforderung. Denn hohe Wildschweinpopulationen berühren massiv Eigentums- und Allgemeinwohlinteressen (u.a. zunehmende Wildschäden in Wald und Feld, steigendes Tierseuchenrisiko durch ASP, KSP oder AK, immer mehr schwere Verkehrsunfälle, Ausbreitung von Wildschweinen in städtische Bereiche). Eine Lösung dieser Herausforderung ist nur durch ein gemeinsames Miteinander der Beteiligten vor Ort möglich. Auf Initiative des Bayerischen Bauernverbandes wurden im Rahmen des vierjährigen Projektes „Brennpunkt Schwarzwild“ (http://www.bayerischerbauernverband.de/schwarzwild-im-brennpunkt) regionalspezifische Lösungen direkt durch die Betroffenen vor Ort in einem partizipativen und transparenten „Bottom-up-Prozess“ entwickelt. Durch ein Portfolio an Maßnahmen wurde aufgezeigt, welche Optionen es für die Einregulierung der regionalen Schwarzwildpopula­tionen auf ein dauerhaft akzeptables Niveau gibt, um insbesondere Wildschäden und die Gefährdung durch Tierseuchen zu minimieren. Hinsichtlich eines erfolgreichen Schwarzwild­mana­gements wurde eine Vielzahl von Modulen erarbeitet. Eines davon ist eine digitale Kommunikationsplattform für ein gemeinsames Schwarzwildmonitoring. Mit Hilfe eines web-basierten Schwarzwildinformationssystems (SIS) wurde die Infor­mations- und Datengrundlage sowie die Kommunikation unter den Beteiligten als entscheidende Grundlage zur Wildschadensreduktion verbessert. Die von allen Beteiligten in regio­nalen Arbeitskreisen gemeinsam und gleichberechtigt erho­bene Informationsbasis stellt sich als Grundlage einer effektiven Kooperation dar. Dieser Gedanke, welcher der Bayerische Bauernverband zunächst in vier Modellregionen umgesetzt hat, wird nun durch die Überführung des SIS in das Bayerische Wildtierportal bayernweit flächendeckend umgesetzt und weiteren regionalen Arbeitskreisen als Managementinstrument ange­boten.

3) Wildtierportal Bayern und Bürgerplattform

Journal für Kulturpflanzen, 69 (7). S. 210–218, 2017, ISSN 1867-0911, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Henning Zimmermann
Institut
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Abteilung Information und Wissensmanagement

Das Jagdwesen/Wildtiermanagement in Bayern steht vor zunehmenden Herausforderungen. Vielschichtige Aspekte spielen eine Rolle, wie insbesondere Folgen des Klimawandels, generell notwendiger Waldumbau, Veränderungen in der Agrarlandschaft, Zunahme und Ausbreitung von Wildarten wie z.B. Schwarzwild und Wildgänse, das Vorrücken von nicht heimischen Tierarten (Neozoen), Wildschäden und damit verbundene Konflikte zwischen den Interessensgruppen, Förderung der Biodiversität, Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Wildarten, steigende Anforderungen des Tierschutzes, Gefahr von Tier­seuchen (z.B. ASP, ESP), gesellschaftliche Sensibilität und Akzep­tanz der Jagd.

Das Jagdwesen hat besondere Bedeutung für den Schutz des Eigentums aber auch für das Allgemeinwohl. Wildtiere sind ein gesellschaftlich anerkannter und wertgeschätzter Bestandteil unserer bayerischen Kulturlandschaft. Das engere Zusammenrücken von Menschen und Wildtieren in unserer dicht besiedelten Heimat stellt neue Herausforderungen an ein konfliktreduziertes Zusammenleben.

Es ist daher staatliche Aufgabe, ein Wildtierportal als ein objek­tives, neutrales, umfassendes und allgemein zugängliches Informationsportal zum Jagdwesen/Wildtiermanagement zur Verfügung zu stellen (Ebene I: Wildtierportal Bayern). Federführend ist hier das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF). Zielgruppen sind u.a. die interessierte Bevölkerung, Fachverbände, Behörden, Forschungseinrichtungen und Bildungseinrichtungen.

In einer zweiten Ebene wird ergänzend dazu ein internes Kommunikationsinstrument für ein eigenverantwortliches Wild­tier- und Konfliktmanagement in regionalen Arbeitskreisen bereit­gestellt (Ebene II: Bürgerplattform im Wildtierportal Bayern). In diesen separaten, vor öffentlichem Zugriff geschützten Bereichen werden Anwendungen für interne Kommunika­tionsplattformen zur Verfügung gestellt, die von Teilnehmern regionaler Arbeitskreise für örtliche Monitoring- und Berichtszwecke genutzt werden können. In dieses wird SIS integriert.

4) Die Effektivität von Bejagungsschneisen für die Schwarzwildbewirtschaftung in der Agrarlandschaft

Journal für Kulturpflanzen, 69 (7). S. 210–218, 2017, ISSN 1867-0911, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Friedrich Kerkhof
Institut
Fachhochschule Südwestfalen, Fachbereich Agrarwirtschaft Soest

Im Rahmen des Modellvorhabens „Schwarzwildbewirtschaftung in der Agrarlandschaft“, welches vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz gefördert worden ist, wurde die Effektivität von Bejagungsschneisen für die Schwarzwildbewirtschaftung untersucht. Das Forschungsprojekt lief im Zeitraum 2008 bis 2010. Vor dem Hintergrund der Konzentration des Maisanbaus in einigen Regionen sollten wirtschaftlich tragfähige Lösungen zur Eindämmung der Wildschäden gefunden werden. Bundesweit wurden in den einzelnen Jahren jeweils 7 bis 10 landwirtschaftliche Betriebe mit unterschiedlicher Betriebsstruktur und Schlag­größe in die Untersuchung einbezogen. Der Schwerpunkt lag auf der Anlage von Bejagungsschneisen in Maisflächen. Bei den Untersuchungen handelt es sich um Fallbeispiele, aus deren Ergeb­nissen Tendenzen abgeleitet werden konnten. Insgesamt war eine große Streuung der Ergebnisse festzustellen. Ursache waren einerseits die unterschiedlichen natürlichen Bedingungen und Betriebsstrukturen. Es ist aber auch davon auszugehen, dass der Managementeinfluss auf den Erfolg von Bejagungsstreifen vergleichsweise groß ist. Mit den Bejagungsschneisen wurde ein Instrument geschaffen, das bei den praktizierenden Jägern und Landwirten auf eine hohe Akzeptanz gesto­ßen ist und sich dabei sowohl als praxistauglich als auch multifunktional erwiesen hat. Bejagungsschneisen sind ein wichtiger Baustein für die flächendeckende und revierübergreifende Schwarzwildbejagung, dadurch tragen sie zur Vermeidung und Minderung von Wildschäden im Feld bei. Darüber hinaus haben sich eine Anzahl positiver natur- und umweltschutzfachlicher Begleiteffekte abgezeichnet. Hier sind beispielhaft die positive Wirkung auf Flächenbrüter und Niederwildarten durch die Auflockerung großer Schlageinheiten und die damit verbundene Schaffung von Randlinieneffekten sowie ein Beitrag zum Schutz vor Bodenerosion in Form von begrünten Schneisen in Maisschlägen zu nennen. Daneben hat das Forschungsvorhaben auch gezeigt, dass der Schlüssel zu einer effek­tiven Schwarzwildbejagung und damit einhergehende Wildschadenvermeidung in der Kooperation zwischen Jägern, Grundeigentümern und Landwirten liegt. Enge Absprachen über das gesamte Wirtschafts- und Jagdjahr hinweg sind für eine effektive Schwarzwildbewirtschaftung unerlässlich. Bestätigt hat sich auch die Vermutung, dass ein ganzheitliches, revier­übergreifendes Bejagungskonzept, dass nicht an Waldfeldgrenzen Halt macht, sondern in gleicher Intensität die Gesamt­fläche umfasst, besonders zielführend ist. Allerdings ist die Anlage der Bejagungsschneisen, selbst bei optimalem betriebs­wirtschaftlichem Management, mit finanziellen Belastungen des Landwirtes verbunden. Um wirtschaftliche Schäden auf den Bejagungsschneisen zu begrenzen, ist eine betriebs- und standortspezifische Nutzung der Bejagungsstreifen nötig. Im Forschungsvorhaben sind hierfür spezifische Strategien ent­wickelt worden. Aus wirtschaftlicher Sicht sind Bejagungsstreifen stärker für größere Schläge geeignet und in der Größe zu begrenzen. Der zusätzliche Arbeitsaufwand durch die Anlage von Bejagungsstreifen belief sich bei den untersuchten Betrieben auf 2,5 bis 5 Arbeitskraftstunden pro Hektar Bejagungsstreifen.

5) Ist die Durchwachsene Silphie eine Alternative zu Energiemais?

Journal für Kulturpflanzen, 69 (7). S. 210–218, 2017, ISSN 1867-0911, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Siegfried Schittenhelm
Institut
Julius Kühn-Institut (JKI), Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde, Braunschweig

Auf der Suche nach Alternativen für Mais zur Biogaserzeugung gewinnt die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum L., kurz: Silphie; engl. cup plant) zunehmend an Beachtung. Der Name dieser langjährig nutzbaren Staude rührt daher, dass die becherförmig verwachsenen Blattpaare von dem vierkantigen Stängel scheinbar „durchwachsen“ werden. Die Silphie blüht von Juli bis zur Ernte im Spätsommer bis Frühherbst und ist in dieser Zeit eine ergiebige Nektar- und Pollenquelle für die Honigbiene und zahlreiche andere Insektenarten. Die Silphie erbringt Trockenmasseerträge von 6 bis 25 t ha–1, wobei die Methan­ausbeute etwa 15% niedriger ist als die von Mais. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet, dem Osten Nordamerikas, besiedelt die Silphie feuchte Habitate wie z.B. Flussränder, Auen und Bruchwälder. Das erklärt auch, warum die Silphie mit Mais vergleichbare oder höhere Trockenmasseerträge nur an Stand­orten mit sehr guter Wasserversorgung erbringt. Angeblich soll Schwarzwild die Silphie wegen ihrer rauen Blätter meiden. Der wahre Grund dürfte aber darin liegen, dass die Silphie im Gegen­satz zum Mais im Wesentlichen nur die Stängel als Assimilatespeicher besitzt und diese für Wildschweine deutlich weni­ger attraktiv sein dürften als die leichtverdaulichen und energiereichen Maiskolben. Durch den Wegfall jeglicher Bodenbearbeitung und das seltene Befahren von Silphie-Äckern gewinnt der Boden unter Silphie-Dauerkulturen seine natür­liche Funktion der Wasseraufnahme- und Wasserhaltefähigkeit zurück. Durch ihr tiefreichendes Wurzelsystem und die starke Regenwurmaktivität gelangt organisches Material auch in den Unterboden. Der Wiederaustrieb nach der Ernte wirkt wie eine kostenlose Zwischenfrucht bei der Stickstoff in organischer Substanz gebunden und vor Auswaschung geschützt wird. Die Silphie-Anbaufläche in Deutschland beträgt derzeit etwa 400 ha. Dieser relativ bescheidene Anbauumfang ist nicht zuletzt darin begründet, dass die bislang übliche Etablierung der Dauer­kultur durch Setzlinge relativ risikoreich und teuer war. Außerdem war eine energetische Nutzung erst im zweiten Anbaujahr möglich, da die Silphie im Etablierungsjahr nur eine Blattrosette ausbildet. Ein durch zwei Landwirte aus Oberschwaben entwickeltes und vermarktetes innovatives Anbauverfahren könnte helfen, die Akzeptanz dieser neuen Energiepflanze in der landwirtschaftlichen Praxis zu verbessern. Durch Silphie-Untersaat in Mais lassen sich die Etablierung der Silphie und die Bio­masseernte von Mais in einem Anbaujahr vereinen. Im Rahmen eines Vertragsanbaus übernimmt die Metzler & Brodmann KG das Risiko für die erfolgreiche Etablierung der Silphie.

Fazit:

Journal für Kulturpflanzen, 69 (7). S. 210–218, 2017, ISSN 1867-0911, Verlag Eugen Ulmer KG, Stuttgart

Karl-Heinz Berendes und Alexandra Esther
Institut
Julius Kühn-Institut (JKI), Institut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst, Braunschweig und Münster

Berichte über Schwarzwildschäden in waldnahen landwirtschaftlichen Kulturen, im Weinbau und im urbanen Raum nehmen zu. Ursächlich hierfür werden der vermehrte Anbau bestimm­ter Kulturen, der Klimawandel mit seinen milderen Wintern und einer damit einhergehenden geringeren Frisch­lingssterblichkeit vermutet, aber auch eine geringere Abschöpfung des Populationszuwachses im Rahmen der jagdlichen Bewirt­schaftung der Schwarzwildbestände.

Die Referenten befassten sich in ihren verschiedenen Beiträgen mit der Ökologie, der Wildschadenserfassung, der aktuellen Rechtslage und Managementansätzen zur Minderung der Schäden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass es aufgrund der steigenden Populationsdichten weiterhin Pro­bleme mit Wildschweinen in allen Kulturbereichen geben wird und dass die bisherigen Schadensminimierungsstrategien noch nicht ausreichend nachhaltig sind und einer weiteren Optimierung bedürfen.

Die hohe Mobilität des Schwarzwildes zwischen den verschiedenen Landschaftskompartimenten wie z.B. Wald, Feld, Ackerland, urbane Bereiche etc., erfordert einen interdiszipli­nären Managementansatz zur langfristigen Lösung dieses Problems. Zur Erzielung einer verträglichen Wilddichte zählen hierzu beispielsweise enge Absprachen mit Landwirten, Jägern und Jagdpächtern, aber auch die Entwicklung geeigneter Mana­gementstrategien unter Berücksichtigung und Einbindung bekannter und bewärter Maßnahmen. Im Rahmen der Fortentwicklung dieser Managementstrategien sollten aber auch alternative Ansätze wie beispielsweise Gesetzesänderungen, Einsatz von Kontrazeptiva oder auch die Verwendung von Nachtzielgeräten nicht außer Acht gelassen werden. Grundlage für die Effektivität einer Dichte- und Abwehrregulierung ist jedoch eine quantitative und qualitative Evaluierung der verschiedensten Ansätze wie Elektrozaun- und Einsatz geprüfter Repellenzien, Jagdschneißen und ein abgestimmtes revierübergreifendes Jagdmanagement wie es beispielsweise aus Bayern und dem urbanen Bereich Berlin berichtet wurde. Die Teilnehmer waren sich einig, dass sich das bundesweite Schwarzwildproblem nicht von allein lösen wird, sondern sich eher noch durch den Klimawandel und das ausreichende Nahrungsangebot in Wald und Feld verstärken wird.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer regten an, durch Bündelung ihrer Fachkompetenzen zu aussichtsreichen Praxisthemen das Thema Schwarz­wild wissenschaftlich weiter voranzubringen, indem Informa­tionen über Wildschweine beispielsweise in einem Wissensportal zusammengeführt werden. Das Symposium wurde als willkommene Auftakt-Sitzung eingestuft, um das Problembewusstsein in Politik und Gesellschaft zu schärfen und die verantwortlichen Stellen anzuregen, die bisherige lokale und kurzzeitige Forschungsförderung für ein deutschlandweites Problemtier wie es das Schwarzwild (Sus scrofa) ist, zu überdenken und durch entsprechende Förderprogramme einem nachhaltigen Lösungsansatz zuzuführen.


ISSN (elektronisch): 1867-0938
ISSN (print): 1867-0911
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Prof.-Dr. Hans-Peter Kaul
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